Videographierte Zeugenschaft. Geisteswissenschaften im Dialog mit dem Zeugen | Berlin 14-16 Mai

fu_logoDer Diskurs um die Begriffe “Zeuge” und “Zeugenschaft” hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark pluralisiert und das intensive Interesse der Geschichts-, Literatur- und Kulturwissenschaften, der Psychoanalyse und der Philosophie auf sich gezogen. Unter der Vielzahl von Zeugnissen konzentriert sich die interdisziplinäre und internationale Tagung “Videographierte Zeugenschaft. Geisteswissenschaften im Dialog mit dem Zeugen” auf die noch junge Gattung der sogenannten Survivor Testimonies.
Das sind videographierte Interviews mit Überlebenden von Gewaltexzessen historischen Ausmaßes. Das Tagungsprojekt verfolgt das Ziel, das Verhältnis der Geisteswissenschaften zu solchen videographierten Zeugnissen systematisch zu reflektieren und dabei die theoretischen sowie methodischen und historischen Voraussetzungen der Fachdisziplinen im gemeinsamen Dialog zu befragen.

Seit der Eröffnung des “Fortunoff Video Archives for Holocaust Testimonies” (FVA) der Yale University Library 1982, eine der frühesten Sammlungen videographierter Interviews mit Überlebenden des Holocaust, hat die Zahl solcher Videoarchive weltweit stetig zugenommen. Das umfangreichste darunter ist das an der Freien Universität zugängliche “Visual History Archive” der USC Shoah Foundation. In Berlin befinden sich außerdem wesentliche Bestände des FVA am Ort der Information unter dem Stelenfeld des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Shoshana Felman und Dori Laub haben in einer frühen Publikation zu dem Thema deutlich gemacht, dass die besondere Problematik der Videozeugnisse darin liegt, dass ihnen eine historische, eine klinische und eine poetische Dimension eigen ist, wobei keine der drei hinreichend geeignet scheint, der Komplexität des Phänomens Zeugnis gerecht zu werden – vielmehr ist die Koexistenz und Interaktion aller drei Dimensionen in
jedem Zeugnis impliziert.

Genau diese Mehrdimensionalität erfordert eine transdisziplinäre Kooperation von Fachkompetenzen, die im Rahmen der Tagung realisiert werden soll. Aus den Perspektiven der Geschichts- und Literaturwissenschaft, der Philosophie und der Psychoanalyse sollen die audiovisuellen Zeugnisse der Archive gemeinsam mit dem Ziel analysiert werden, Antworten auf die ethischen wie methodischen Herausforderungen der neuen Gattung “Survivor Testimonies” an die Disziplinen zu
entwickeln.
Program
Weitere Informationen unter:  www.zeugenschaft-berlin.de

Tagged under